Kinder-/ Jugend-& Familienberatung Gaby Hammer
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"Einen Scheiß muss ich!"

Aufgrund der Entfernung fahre ich meine beiden Kleinen morgens zur Schule.

Allen Kritikern sei direkt gesagt: Nein, es gibt keine Busverbindung!

 

Und um ehrlich zu sein: Ich liebe es auch sehr, morgens im Auto mit den Kindern. Wir reden über den nun folgenden Tag und über die Fragen, die die beiden beschäftigen: Was macht eigentlich der Mann mit dem ganzen Schrott, den er da sammelt und auftürmt? Warum trinkt die Kuh nicht ihre eigene Milch, sondern lieber Wasser? Friert das Eichhörnchen im Winter? Und hat es nicht ganz viel Hunger? Sohnemann zählt dabei die verschiedenen Automarken und –typen auf, die uns so begegnen und ich stelle fest: Er kennt schon ganz schön viele!

Es gibt tausende Dinge, die Kinder beschäftigen. Sie haben unzählige Ideen und Gedanken und äußern Weisheiten, die nur Kinder so einzigartig und klar formulieren können. Eine dieser Weisheiten erfuhr ich dann heute Morgen von meinem 9-jährigen Sohnemann im Auto:

 

„Mami, saugst Du heute mein Zimmer?“ Ich erinnerte mich daran, dass er mir gestern – oder war es schon vorgestern – gebeichtet hat, die Fußballschuhe in seinem Zimmer ausgezogen zu haben und dabei seien dann die ganzen kleinen Steinchen heraus gefallen. Kunstrasenplatz!

 

„Heute Vormittag arbeite ich. Vielleicht heute Nachmittag.“

„Ok, dann aber wirklich, ja?“           Wie bitte?.....

„Wie wäre es, wenn Du heute Nachmittag selber saugst?“

„Ich bin doch nicht da. Ich gehe doch zu „mein bester Freund Fridolin“!“

Ach ja…..

„Dann kannst Du es ja morgen machen. Morgen ist Samstag und Du hast Zeit.“

„Och nö…. Und außerdem ist das nicht meine Aufgabe!“

 

 Achtung, Mami! Jetzt wird´s heikel!

 

Ich wiederhole den Satz und lasse ihn wirken: „Nicht deine Aufgabe…..“

„Nö, das müssen die Mamis machen. Das ist ihr Job. Die müssen saugen und putzen.“

 

Bäng!

 

Ich habe sofort einen Buchtitel im Kopf und erwidere:

 

„Einen Scheiß muss ich!“

 

Und ich begreife etwas anderes: Die Rollenaufteilung in einer Familie ist immer noch

ganz eindeutig geklärt: Mama putzt – Papa holt die Kohle rein!

Und dabei ist es völlig unerheblich, ob Mama auch arbeitet und etwas zum

gewünschten Lebensstandard beiträgt. Daran erinnern sich die lieben Kleinen am

liebsten dann, wenn Papa ihnen den Wunsch nach den neuesten und mega! Super! Ultimativ coolen! Inlinern oder dem „XYZ Next Level“ für „Nirdenko Super RS Multi“ ausschlägt und sie völlig frustriert vor Mama stehen und fragen:

„Papa will das nicht bezahlen! Kannst Du mir das kaufen? Du hast doch auch Geld,

oder?“

Die Rollenaufteilung ist manifestiert, scheint in Stein gemeißelt! So alt sie ist,

so überholt sie vielleicht für Manche auch sein mag, sie wird wohl immer da sein! Emanzipation hin oder her.

 

Und ich frage mich einerseits:

 

Was trage ich dazu bei, dass das Rollenverständnis wenigstens etwas aufgeweicht

wird, bei der Generation, die hier bei uns im Haus gerade aufwächst? Und ist das

denn überhaupt wichtig? Erstens: Noch zu wenig und zweitens: Das weiß ich nicht,

aber irgendetwas hat es in mir ausgelöst, sonst würde ich ja hier nicht sitzen und

darüber nachdenken und schreiben.

 

Und anderseits:

 

Ist es das, was uns Mütter so in Stress und auch in eine phasenweise Unzufriedenheit geraten lässt? Wir gehen arbeiten, wie Papa. Wir kümmern uns manchmal auch um

die Rasenpflege, wie Papa und manchmal reparieren wir auch die eine oder andere Kleinigkeit, wie Papa. Und trotzdem sind wir immer noch die „Herrscherin über den Staubsauger“ und die „Königin der Putzlappen“! Und das soll nicht heißen, dass

Papa das nicht auch (mal) macht. Es geht mir hier um das selbstverständliche Bild,

das Kinder von uns Müttern haben. Und darüber muss ich schmunzeln.

 

Ja, wir haben unsere Rolle in der Familie verändert. Aber nicht, weil wir die Rollen vertauscht oder Zuständigkeiten grundsätzlich gewechselt haben. Wir haben unsere altbekannte Rolle erweitert.

Früher war es normal und üblich, dass die Frau die bezahlte Arbeitswelt verließ.

Heute möchte Frau aber auch wieder etwas anderes sein, als ausschließlich Mutter.

In vielen Familien ist es notwendig, Geld hinzu zu verdienen, weil Kinder einen

finanziellen Mehraufwand bedeuten. Für viele bedeutet Berufstätigkeit aber auch eine Bestätigung und enthebt sie aus der vielleicht als unangenehm empfundenen

finanziellen Abhängigkeit.

Und mit diesem Wunsch nach Bestätigung kommen Zweifel auf und auch das

schlechte Gewissen, weil wir uns fragen:

 

Kann uns das nicht auch die Mutterrolle geben?

 

In Teilen, möchte ich antworten, und hier kommt es vielleicht auch auf die

Persönlichkeit der Frau an. Ich kenne Mütter, die in ihrer Mutterrolle aufgehen und

sich nichts Schöneres vorstellen können. Sie scheinen zufrieden mit dem, was sie

hier bewirken können und holen sich ihre Bestätigung über die Entwicklung ihrer Kinder, wobei ihnen die finanzielle Abhängigkeit wenig auszumachen scheint. Oder ist es tatsächlich nur „scheinbar“? Und was ist später? Aber das ist wohl ein anderes Thema.

 

Welche Persönlichkeit auch immer, eines ist gewiss: Die besten Voraussetzungen

dafür, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen und in Gesundheit zu leben

sind nun einmal:

 

- Zugehörigkeit zu einer Gruppe, denn wir sind soziale Wesen

- Bestätigung für unsere Handlungen und:

- der Sinn, also unsere innere Antwort auf die Frage: Wozu machen wir etwas?

 

Wenn wir also unsere Rolle erweitert haben, dann machten wir das vielleicht, weil:

 

  1. die Rolle der Hausfrau und Mutter immer noch keinen ausreichenden Leumund.     hat und uns die ausschließliche Zugehörigkeit zu dieser Gruppe deshalb nicht zufrieden stellt? (Nein, der Gesichtsausdruck bei der Antwort „Hausfrau und Mutter“ hat sich bis heute nicht wesentlich verändert!)

 

  1. uns anerkennende Worte für unsere Leistungen nicht ausreichen? (Wenn wir die überhaupt bekommen! Denn meistens ist es doch einfach selbstverständlich!)

 

Richtig! Und hinzu kommt auch noch, dass

 

  1. die Rolle als Mutter bei weitem nicht ausreicht, um den ganzen Sinn unseres     Lebens zu füllen!

 

Die Rolle der Mutter: Sie ist ein Teil von uns und das wird sie auch immer bleiben.

Aber sie ist auch eine Lebensphase, die irgendwann in ihrer Verantwortlichkeit zu

Ende geht. Nämlich dann, wenn die Kinder sagen: „Ich habe Dich lieb Mami, aber

jetzt ziehe ich aus und gehe meinen eigenen Weg!“ Und genau das ist auch gut so.

Genau so haben wir es doch auch gemacht. Und so haben wir im Laufe der Zeit etwas ganz wichtiges verstanden:

Wir lieben unsere Kinder und wir lieben unser Dasein als Mutter. Meistens jedenfalls.

Aber dies reicht bei weitem nicht aus, um uns ganz zu erfüllen. Zu erfüllen mit dem,

was noch in uns schlummert. Zu erfüllen mit dem, was wir alles noch erreichen

wollen und können. Zu erfüllen mit dem Sinn unseres Lebens! 

 

Danke Sohnemann!

"Mit Herz & Seele"

  Familienberatung

Gaby Hammer

 

Kinder-/ Jugend- &

Familienberaterin

 

HERZWESEN®-Praktikerin


Psychologische Beraterin/

Personal Coach

Büroräume:

Prämienstr. 27

52076 Aachen-Walheim

 

Postanschrift:

Steindrich 6

52156 Monschau

 

Tel.:   02472 912532

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