Kinder-/ Jugend-& Familienberatung Gaby Hammer
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Immer Ärger mit der Wut!

Sie kennen das auch: Wir Eltern haben die Situation noch gar nicht richtig erfasst, haben keine Ahnung, was wir eigentlich gerade sooo schlimmes gesagt haben, da blökt Sohn oder Tochter auch schon los, brüllt uns an, rennt in´s Zimmer und schmeißt lautstark die Tür hinter sich zu. Bäng! Und dann stehen wir da und unsere Gedanken fliegen hin und her zwischen: „Was ist denn nun schon wieder!“ und „Mein Gott! Diese Wutanfälle sind echt nicht auszuhalten!“ bis hin zu „So darf er oder sie doch nicht mit mir reden!“ Was dann oftmals folgt sind anstrengende und laute Gespräche, also „Standpauken“, mit dem Kind darüber, dass man so nicht mit den Eltern reden darf, dass sich das nicht gehört und, dass man nicht immer so wütend sein darf!“. Konsequenzen werden angedroht oder sofortige Maßnahmen eingeleitet.

              „Sei nicht immer so wütend!“

 

Ein Satz, den wir uns dann sagen hören, wenn uns das Verhalten unserer Kinder mißfällt oder gar das gesamte Familienleben belastet, wir nicht nachvollziehen können, warum er oder sie wegen so einer Kleinigkeit gerade so heftig reagiert - sollten wir den Grund überhaupt nachvollziehen können.

Wut ist eines dieser unangenehmen Gefühle, mit dem wir nur ganz schlecht oder fast gar nicht zurecht kommen. Wut und Ärger des (Gesprächs-)Partners löst in uns in der einen Situation Schuldgefühle aus, weil wir uns verantwortlich fühlen. In einer anderen Situation ist es Angst, weil wir eine Bedrohung wahrnehmen. Die Wut des Anderen läßt uns aber auch unsere eigene Wut spüren. Etwas, was wir gelernt haben zu unterdrücken oder nicht mehr wahrnehmen zu dürfen, weil es – ja – weil es auch schon in unserer Kindheit ungerne gesehen wurde, wütend zu sein und wir vielleicht sogar mit den gleichen Sätzen aufgewachsen sind wie die, die wir heute selbst von uns geben. Mehr noch hat uns das Leben auch gelehrt, dass uns aufkommende und ausagierte Wut oftmals sehr unangenehme Situationen beschert, die wir dann bereuen und uns schwören lassen: „So will ich nie wieder sein!“ Also haben wir beschlossen, dass es ganz gute Gründe dafür gibt, das Gefühl der Wut abzulehnen – beim anderen als auch bei uns selbst.

Und damit verdrängen wir ein weiteres Mal diesen Teil von uns und legen ihn solange in eine dunkle Schublade, bis unser Kind in einer dieser Situationen unsere Schublade wieder (leicht) öffnet.

Um es ganz deutlich zu sagen: Wir können unsere Wut ungeachtet der Folgen zwar ablehnen oder unterdrücken, aber wir können sie nicht „abschaffen“. Nicht bei uns und auch nicht durch größte Mühen und Anstrengungen bei anderen. Sie ist nichts, was irgendwann einmal irgendwie entstanden ist, wir uns bei jemandem damit angesteckt haben, wie mit einer Krankheit. Deshalb verschwindet sie auch nicht einfach wieder, wenn wir glauben, ein wirksames Mittel dagegen gefunden zu haben. Wut ist ein Gefühl und gehört zu uns, genauso wie Angst oder Scham, Liebe oder Freude, Überraschung oder Traurigkeit. Es ist also der Mühe wert, sich einmal näher mit ihr zu befassen.

              Wut und Ärger einmal anders betrachtet

 

Es muss also einen tieferen Sinn dafür geben, dass ein als „schlecht und verboten“ angesehenes Gefühl in uns wohnt und zu uns gehört und wir es im Hinblick darauf, dass wir es eh nicht “abschaffen” können, lieber als vorhanden akzeptieren sollten. 

Was kann Wut also vielleicht Gutes für uns tun?

 

In seinem Buch „Was deine Wut dir sagen will“ erklärt der Autor und Psychologe Marshall B. Rosenberg – Entwickler des Konzeptes der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GfK) – , dass Wut und Ärger als Alarmsysteme zu verstehen sind, welche uns nützliche Informationen über unsere Bedürfniswelt liefern. Nur logisch, dass Wut also dann entsteht, wenn ein Bedürfnis in einer Situation gerade nicht erfüllt wird. Wut kann also tatsächlich etwas Positives für uns tun, weil sie uns daran erinnert, dass wir jetzt gerade nicht gut für uns sorgen, unsere Bedürfnisse vernachlässigen oder gar mißachten, weil es vielleicht die Situation nicht anders zulässt. Und genauso wie wir, so Rosenberg, die Warnleuchten am Armaturenbrett unseres Autos nicht ignorieren würden, so sollten wir dieses Signal in uns ebenfalls nicht ignorieren.

Das betrifft dann auch die Betrachtungsweise unseres Kindes. Seine ausgedrückte Wut, und sei sie noch so nervig für uns, macht eine Aussage darüber, dass gerade in dieser Situation eines oder sogar mehrere seiner Bedürfnisse nicht erfüllt sind - eben eine Herzens-Aussage.

              Was also tun?

  1. Es kann sehr entlastend sein anzuerkennen, dass Gefühlsausbrüche von Wut und Ärger unseres Kindes „normal“ sind und von uns akzeptiert werden dürfen „Wir müssen es nicht ändern!“- „Wir müssen das Verhalten nicht bestrafen!“ Das entlässt uns aus der oftmals irrigen Annahme, dass wir immer und zu jeder Zeit verantwortlich sind für das, was unser Kind denkt und fühlt und wie es sich verhält.

  2. Das Wissen um die Existenzberechtigung der Wut entlässt uns aus dem immerwährenden Druck, auf alles und jedes eine Lösung parat haben zu müssen. „Wir dürfen das auch so stehenlassen.“

  3. Es kann ebenfalls sehr entlastend sein, aus einem hierdurch gewonnenen Abstand die Gefühlslage des Kindes zu betrachten und statt des Verhaltens einmal die dahinter-liegende Frage nach seinem möglichen Bedürfnis – seiner Herzens-Aussage - zu stellen.

Das soll nicht bedeuten, dass sich Wut und Ärger in jeglichem Verhalten äußern darf. Sich als Eltern lediglich die Freiheit zu nehmen, dem Gefühl der Wut einmal anders zu begegnen, als ausschließlich das Verhalten bestrafen zu müssen, sondern das Bedürfnis des Kindes erkennen zu wollen, ist ein erster Schritt in eine andere Betrachtungsweise und ein wertvoller Schritt in eine offene und bessere Beziehung zwischen Eltern und Kind. Denn sind wir mal ehrlich: „Gewalt erzeugt Gewalt“. In diesem Satz steckt viel Wahrheit und es betrifft nicht nur die physische sondern auch ein gewisses „Gewaltpotential“ innerhalb unserer Kommunikation. Gestatten wir uns also ab heute einfach mal, den Gefühlsausbruch des Kindes anzuerkennen und nachzufragen: 

„Was brauchst Du gerade?“ 

Und ist es nicht viel schöner, es dann vielleicht in den Arm zu nehmen und zuzugeben, dass wir auch manchmal wütend sind?


 

"Mit Herz & Seele"

  Familienberatung

Gaby Hammer

 

Kinder-/ Jugend- &

Familienberaterin

 

HERZWESEN®-Praktikerin


Psychologische Beraterin/

Personal Coach

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